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Historische Spannungsverhältnisse des Politischen in Frankreich seit 1789
Die Möglichkeit politischer und sozialer Veränderbarkeit durch revolutionäre Gewalt scheint die politische Kultur Frankreichs seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts zu bestimmen. Weit über 1789, 1830, 1848 und den Aufstand der Pariser Kommune 1871 hinaus sind auch das mit „1968“ verknüpfte Selbstbild oder die Protestbewegung der gilets jaunes 2018/19 ohne diese historische Präfiguration undenkbar. Zugleich ist die politische Kultur Frankreichs von einem eigentümlichen Spannungszustand gekennzeichnet: zwischen dem revolutionären Kampf um egalitäre Teilhaberechte in der Berufung auf die souveräne Nation einerseits und der kollektiven Faszination durch charismatische Helden an der Spitze von Staat und Nation andererseits – vom roi connétable im 17. und 18. Jahrhundert über Napoleon I. und seinen Neffen bis zu Philippe Pétain und Charles de Gaulle. Der Vortrag fragt nach der historischen Genese dieser Spannung: Wann und warum konnte die Erwartung an eine persönliche Verkörperung nationaler Größe in die Erosion politisch-konstitutioneller Legitimität umschlagen? Und was tragen die französischen Krisenerfahrungen zum Verständnis der strukturellen Krise des Politischen in der Gegenwart bei?
Kursnummer: 261100437