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Die Provinz in der französischen Literatur- und Kulturgeschichte
Der Ausdruck la France profonde bezeichnet weniger einen eindeutig lokalisierbaren Raum als ein Bündel historisch gewachsener Vorstellungen, die das ländliche Frankreich mit z.T. nostalgischen Bildern bzw. der Idee von Herkunft, Verwurzelung, ‚Authentizität‘ und einem traditionellen Lebensstil verbinden. Auch Begriffe wie la vieille France, la campagne oder la province verweisen auf solche Imaginationen, die häufig in Abgrenzung zur Metropole Paris entstehen. Ihre anhaltende Wirkmacht zeigte sich zuletzt auch während der Corona-Pandemie, als der vielfach beschriebene exode urbain von einer Rhetorik des retour à la terre begleitet wurde und ländliche Räume aufwertete. Auch regionale Zuschreibungen, wie sie durch den großen Erfolg des Films Bienvenue chez les Ch’tis (2008) von Dany Boon verbreitet wurden, können als mögliche Ausprägungen solcher Topoi gelesen werden. Anhand literarischer und audiovisueller Beispiele wird im Vortrag gezeigt, wie la France profonde als kultureller – und das heißt auch: historischer und politischer, durchaus kontrovers wahrgenommener – Deutungsraum erscheint, in dem unterschiedliche Vorstellungen von Gesellschaft und Lebensweisen verhandelt werden.
Kursnummer: 261100442